Heilwerden der Persönlichkeit in der Gegenwart Gottes


Der Schutzraum der Liebe Gottes

Jeder Mensch, der seelische Verletzungen erlitten hat, braucht auf dem Weg seiner Heilung den Schutzraum der bedingungslosen Liebe und Annahme Gottes.

Wenn wir Gottes Vaterliebe gewiß sind, können wir ohne Angst vor Verurteilung und in dem Wissen, dass Gott unser Bestes will, beten: "Erforsche mich, Gott und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich`s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege" (Psalm 139, 23-24). Gott möchte uns Stück für Stück unser Herz erkennen lassen, damit unsere Persönlichkeit in eine größere Freiheit gelangt. Die Vaterliebe Gottes kann dabei an jeder dieser Stationen ein wenig mehr offenbar werden.

In Psalm 139 wird die Gegenwart unseres Gottes, der jeden Menschen bis ins Innerste und in alle seine Gedanken hinein kennt und versteht, besonders eindrücklich beschrieben: "Herr, du erforschst mich und kennst mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege" (Ps. 139, 1-2).

Von Anfang an hat Gott über unser Leben gewacht. Gott hat jeden Menschen einzigartig geschaffen und eine persönliche Berufung auf sein Leben gelegt: "Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe. Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin. ... Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war" (Ps. 139, 13+16).

Die Entwicklung der Persönlichkeit

Wenn Kinder auf die Welt kommen, sind sie eine längere Zeit auf einen besonderen Schutz angewiesen. Ihre Persönlichkeit kann sich am besten in einer Atmosphäre der Annahme entwickeln. Diese grundsächliche Annahme bildet für sie eine stabile Grundlage, wenn es darum geht, sich auch mit den zum Teil schmerzlichen Begrenzungen des Lebens auseinanderzusetzen und einen konstruktiven Umgang mit ihnen zu erlernen. Wenn Eltern schon frühzeitig bestimmte Persönlichkeitsmerkmale und Neigungen ihres Kindes als Hinweis auf seine spätere mögliche Berufung respektieren und fördern lernen, unterstützen sie damit von vornherein die ihm von Gott verliehene Identität.

So bewahrt in der Erziehung die Achtung vor der einzigartigen Berufung, die in jedem Menschen angelegt ist, davor, Heranwachsende zu verbiegen, ihnen eigene Interessen aufzudrängen, sie zu kurz kommen zu lassen oder sie zu manipulieren. Die Achtung vor der besonderen Berufung, die Gott einem Menschen gibt, wird in der Bibel sogar in Situationen hochgehalten, in denen der Betreffende vom Weg Gottes abweicht. Mir fiel dabei König David ein, der längere Zeit die Verfolgung durch König Saul, seinen Vorgänger, erleiden musste. Während dieser Zeit hatte David einige Male die Gelegenheit, seinen Verfolger abzuschütteln, bzw. ihn sogar umzubringen. Aber David zögerte vor diesem Schritt, es schien, als wenn er dem Handeln Gottes nicht vorgreifen wollte. David besaß eine tiefe Achtung vor der Berufung dieses Königs, die Gott ursprünglich selbst bestätigt hatte. So fährt er auch einen Soldaten aus Amalek an: "Wie, du hast dich nicht gefürchtet, deine Hand zu erheben gegen den Gesalbten des Herrn, um ihn zu töten?" (2.Samuel 1,14)

Wer wie David eine hohe Achtung vor der Berufung eines Menschen hat, der wird sich in seinem Handeln, Denken und Reden stets von der Sicht leiten lassen wollen, die Gott über diesen Menschen hat. Und selbst wenn dieser Mensch ihn reizt und ständig überfordert, wird er daran festhalten und ihm nicht Gewalt antun.

Zum eigenen Profil stehen

"Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele" (Psalm 139, 14).

Neulich erzählte mir jemand die Geschichte von einem Reifen, der ein völlig abgenütztes Profil gezeigt habe. Der Reifen sei derart heruntergefahren gewesen, dass die Oberfläche bereits nahezu konturlos und völlig glatt gewesen sei. Die einzige Frage war, wie man diesen ausgedienten unnützen Reifen möglichst schnell entsorgen könnte

 

 

Gottes Vaterliebe und die Haltungen unseres Herzens

Wenn wir Gottes Vaterliebe gewiß sind, können wir ohne Angst vor Verurteilung und in dem Wissen, dass Gott unser Bestes will, beten: "Erforsche mich, Gott und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich`s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege" (Psalm 139, 23-24).

Gott möchte uns Stück für Stück unser Herz erkennen lassen, damit unsere Persönlichkeit in eine größere Freiheit gelangt. Die Vaterliebe Gottes kann dabei an jeder dieser Stationen ein wenig mehr offenbar werden.

Auf einer ersten Station geht es darum, die eigenen Identität neu zu verwurzeln: Als Kind Gottes ist die Mitte unserer Identität der Wert, den wir in Gottes Augen haben. Je mehr wir darauf vertrauen, von Gott bedingungslos geliebt zu sein, bekommen andere Stützen unserer Identität eine nachgeordnete Bedeutung: Unsere Stärken und Erfolge, unsere Leistungen, unser Ansehen bei anderen Menschen ... . Wir stehen und fallen nicht mehr mit diesen Dingen, sondern bekommen einen festen Stand in Gottes Zusage: Du bist meine geliebte Tochter, mein geliebter Sohn! Damit werden wir freier und unabhängiger gegenüber anderen Menschen. Dieser Schritt erfordert Demut, denn es geht darum, dass sich das stolze Festhalten an der eigenen Stärke löst.

In einer weiteren Station stellt uns Gott die Frage, wem wir mehr vertrauen: den Gedankengebäuden dieser Welt oder den Wahrheiten Gottes? Je mehr wir uns auf sein Wort und seine Wahrheit verlassen, um so mehr werden sie greifbar und real in unserem Leben. Schließlich wird es möglich, sich für die Zusagen in der Bibel zu entscheiden, in denen Gott uns ein Leben in Fülle verheißt. "Ich bin gekommen, damit sie Leben und volle Genüge haben sollen", sagt Jesus (Joh. 10,10). Dann werden wir bereit, loszulassen und uns vom Heiligen Geist führen und leiten zu lassen. Das bedeutet wirkliche Freiheit!

Man kann dies mit einem Wagen vergleichen, bei dem wir bisher selbst am Steuer saßen. Nun sind wir bereit, auf dem Beifahrersitz Platz zu nehmen, und uns fahren zu lassen. Der Herr weiß am besten um unseren weiteren Weg.

So begegnet Gott einem Menschen, der an innerer seelischer Gefangenschaft und Unfreiheit leidet und sich nach einem neuen Leben sehnt. In der Einsamkeit seines Herzens erweckt der Heilige Geist die Hoffnung auf einen Neubeginn. Er möchte ihn zu den geistlichen Kraftquellen locken, an denen lebendiges Wasser ausgeteilt wird.

Negative Bindungen aufgeben

Zur Heilung unserer Persönlichkeit kann es nötig sein, negative alte Bindungen zu lösen. Denn Sünde in irgendeiner Form hat einen zerstörenden Einfluss auf unser Leben. Wenn Gott die Sünde aufdeckt und uns damit zur Umkehr führt, tut er es aus Liebe, um unsere Persönlichkeit zu heilen und wiederherzustellen. "Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege" bittet darum der Beter in Ps. 139, 24.

Jeder, der sich für Gottes Versorgung mit dem lebendigen Wasser öffnet, wird dadurch fähig werden, die belasteten Wurzeln in seiner Lebensgeschichte aufzuspüren, die Mangel und Bedrückung hervorgerufen haben. Er wird immer besser unterscheiden können, was dem Willen Gottes entspricht und was nicht. Er wird für eigene Schuld und auch für die Schuld seiner Vorfahren Vergebung erbitten und empfangen können. Auf diese Weise werden Erblasten aufgebrochen, die im psychischen, körperlichen und geistlichen Bereich Schaden angerichtet haben. Gott sehnt sich danach und wartet darauf, dass wir ihm unser altes Leben, unsere alten Bindungen und unsere Selbstbestimmtheit ("Ich will mein eigener Herr sein") übergeben. Die Widerstände, diese aufzugeben und Gott in unserem Leben Herr sein zu lassen, möchte er mit uns gemeinsam überwinden. Vielleicht fragen wir uns manchmal, warum er dies nicht einfach entfernt. Aber brauchen die Kraft, den falschen Abhängigkeiten selbst die Stirn bieten zu können, um seine Wahrheit zu ergreifen. Dazu gibt uns Gott den Wind seines Geistes, um über die Hürden unseres alten Ichs zu springen. Dabei dürfen wir immer wieder wie der verlorene Sohn in die Arme des Vaters laufen.

Der Heilige Geist als Tröster und Seelsorger

Im Prozess einer Seelsorge und christlichen Therapie dürfen wir Gott um seinen Geist bitten. Er gibt ihn uns gern. Wir können beten: "Heiliger Geist, bahne dir einen Weg in mein Herz - auch durch meine innere Verhärtung und Verbitterung hindurch!" So überlassen wir uns Schritt für Schritt dem Weg innerer Heilung. Gott will unser Herz aufweichen, sodass es offen und bereit wird, seine Liebe zu empfangen.

Jeden Tag können wir dann Gott die leere Schale unseres Lebens hinhalten. Er allein kann sie mit dem erfüllen, was wir brauchen. Die Bibel fordert uns heraus, überfließend zu sein, überfließend in der Kraft des Heiligen Geistes. Es geht nicht mehr darum, aus dem Eigenen zu schöpfen und das Letzte herauszuholen. Sondern ich kann z.B. während der stillen Zeit auch wirklich eine Zeit still sein und Gott einladen, mich zu beschenken und mir seine Liebe zu zeigen und mich mit ihr auszufüllen. Vielleicht möchte Gott in dieser Zeit auch zu mir reden. Gott schenkt die Geistesgaben, wie die Gabe der Prophetie, des Sprachengebets, um den inneren Menschen zu stärken und aufzubauen.

So geht es darum loszulassen. Ich kann mir vorstellen, ich liege in den Armen des Vaters. Dann kann ich auch den Herrn bitten, mir Widerstände zu zeigen, die ein überfließendes, geistliches Leben noch blockieren können. Worum möchte ich Gott bitten? Durch Dankbarkeit lasse ich die Liebe Gottes bei mir landen. Sie ist schon vorher da, aber durch das Danken kann ich sie erfahren.

Sich in Gottes Armen bergen

Das führt schließlich in eine größere Hingabe an Gott: Sich in seine Arme zu werfen und sich ihm ganz zu überlassen. "Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen" (Psalm 139, 5-6). Am schönsten wird das deutlich im Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk. 15). Als der jüngere Sohn nach Hause zurückkommt, läuft ihm der Vater schon entgegen und schließt ihn in seine Arme, so, wie er ist, dreckig und zerlumpt. Und der Sohn lässt sich vom Vater umarmen.

Es ist ein Vertrauensschritt, sich in die Arme des Vaters zu werfen, sich selbst loszulassen an ihn. Hier ist unser Gottesbild gefragt: Glaube ich, dass Gott es gut mit mir meint? Dass er sich um mich kümmert, weil er mich liebt? "Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten. Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein, so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht" (Psalm 139, 9-12). Manchmal können wir Gott nicht verstehen, dann können wir nur beten: Ich vertraue dir, auch wenn ich dich im Moment nicht verstehe. Der Grund unseres Vertrauens sind Gottes Zusagen, die wir in seinem Wort finden. In der vertrauensvollen Hingabe an den Gott, der uns liebt und uns nie im Stich lässt, wird unsere Persönlichkeit Stück für Stück Heilung erfahren. Auch die Wegstrecken, die uns dunkel erscheinen, sind Gottes Augen nicht verborgen und er lässt sein heilsames Licht darauf scheinen.