GLAUBE - eine weitere Betrachtung


GLAUBE - eine weitere Betrachtung

             Der äußere Schein ist trügerisch

 Der äußere Schein kann trügen. Manchmal erscheint uns etwas schlimm, weil wir uns niedergeschlagen fühlen, manchmal auch, weil uns Zweifel plagen. Und zeitweilig ist alles, was wir sehen können, der Berg unserer Sünden und Misserfolge. Aber wir vertrauen weder auf den äußeren Schein noch auf Gefühle, sondern einzig und allein auf Jesus Christus. Unser gutes Gefühl, das wir wegen unserer Glaubensfortschritte hegen mögen, bringt uns nicht die Errettung. Aber unser in dieser Hinsicht möglicherweise schlechtes Gewissen führt auch nicht zu unserer Verdammung. Christus errettet uns. Wir vertrauen auf ihn und nicht auf den äußeren Schein.

 In der Bibel heißt es, dass uns nichts von Christi Liebe trennen kann (Röm 8,31-39). Gegen seine Liebe kommen wir mit unseren Sorgen nicht an. Unsere Zweifel können seine Liebe nicht bezwingen. Die Schwächen unserer Kirche, unseres Pastors, unserer Freunde oder unserer Familie sind nichts im Vergleich zu seiner Heil bringenden Kraft.

Der Lärm, die Raumnot, ja selbst das Chaos unserer häuslichen Umgebung, die uns vielleicht von jener Form des Gebets und Bibelstudiums abhalten, die andere ihrer Aussage nach pflegen, sind für Christus kein Hinderungsgrund, uns zu erretten. Nicht einmal das Auf und Ab, das für unsere emotionale Instabilität kennzeichnend ist, kann ihn davon abhalten, uns an seiner neuen Schöpfung teilhaben zu lassen.

 Wenn wir auf Christus voll und ganz vertrauen, können wir das nutzlose Spiel, unsere guten und schlechten Taten gegeneinander aufzurechnen, aufgeben. Dann können wir all unsere Sorgen auf ihn werfen und ihm ohne Angst und Vorbehalte all unsere Sünden bekennen. Auf seine Vergebung, seine Akzeptanz und seine Liebe können wir vertrauen.

 Gott hat uns nicht berufen, auf dass wir uns vor Sorgen grämen oder ängstigen (Röm 8,15). Der Heilige Geist verhilft uns zu Mut, Beherztheit und Zuversicht in den einen, der uns liebt und der für uns den Opfertod starb. Er ist auf unserer Seite (Verse 31-32); warum sollten wir uns also darum sorgen, dass er, der auf so unbeschreibliche Weise für uns ist, gegen uns sein könnte? Das macht keinen Sinn. Und dennoch, so scheint es, machen wir jedesmal, wenn wir versagen, diese schrecklichen Sorgen durch, Gott werde uns verwerfen, anstatt uns zu vergeben.

 Die Sünde belügt uns

 Sie tut dies auf vielfältige Weise. Zum einen will sie uns glauben machen, sie sei nicht ernst zu nehmen; zum anderen will sie uns weismachen, wir kämen ohne sie nicht aus, zudem füge sie weder uns noch anderen Schaden zu. Alles gelogen! Sind wir jedoch erst einmal auf ihre Lügen hereingefallen, lässt die Sünde ihre Maske fallen und lacht uns ins Gesicht, während sie uns mit jedem ihrer Schläge unempfindlicher macht. Und dann fängt sie erneut an, uns anzulügen.

 Die aber vielleicht schlimmste aller Lügen besteht darin, uns glauben machen zu wollen, Gott habe an uns keinen Gefallen mehr. Vergessen Sie nie: Christus starb für uns, während wir noch Sünder waren (Röm 5,6.8). Gott hasst Sünder nicht, er liebt sie. Deshalb ließ er sein Leben für sie.

Sind Sie ein Sünder? Was für eine Überraschung! Nun denn, Sie Sünder, Gott liebt Sie. Und er liebt Sie mit all Ihren Sünden; ja, gerade Ihre Sündhaftigkeit war Grund für die größte Tat der Liebe am Kreuz.

 Das bedeutet, wenn wir unsere Sünden vor Gott bekennen, bitten wir ihn damit nicht um etwas, was er uns ansonsten vielleicht nicht zuteil werden ließe, sondern wir feiern gewissermaßen die Vergebung, die er uns bereits zugesagt hat. Wir bekennen vor Gott, wie sehr wir der Wiederherstellung der Gemeinschaft mit ihm durch Jesus Christus bedürfen, und feiern diese dann anschließend. Wir feiern die Freundschaft, die uns mit Gott verbindet, der uns liebte und errettete, indem er sich uns in unserer Sündhaftigkeit zuwandte und uns der Sünde entledigte. (Und gepaart mit der Freude, die das Feiern von Gottes Liebe und Gnade uns Sündern gegenüber auslöst, vergeben wir unsererseits jenen, die sich an uns versündigt haben.)

 Vertraut auf seine Gnade

 Wenn wir auf Christus vertrauen, so sind wir fest davon überzeugt, dass er weiß, was für uns das Beste ist. Das bedeutet, wir hören, was er uns zu tun heißt, und geben unser Bestes, dem zu entsprechen. Und dennoch scheitern wir auf so vielfältige Weise, obwohl wir uns immer wieder fest vornehmen, dem Wort Gottes genauestens Folge zu leisten. Da wir jedoch auf Christus vertrauen, müssen wir niemals verzweifeln! Wir erbitten Vergebung in der absoluten Gewissheit, sie zu erlangen, rappeln uns wieder auf und versuchen es erneut.

 Genau dieser Prozess ist eine Glaubensübung, eben dem einen zu vertrauen, der uns sowohl errettet als auch in uns wirkt. Wie C.S. Lewis schrieb: „So erleben wir einerseits, dass wir uns selbst in unseren besten Augenblicken nicht auf uns verlassen können, andererseits aber nicht einmal in unseren schlimmsten Stunden verzweifeln müssen, denn uns sind unsere Übertretungen vergeben. Das einzig Fatale wäre, sich glücklich und zufrieden mit weniger als der Vollkommenheit zurückzulehnen“ (aus Mere Christianity [Pardon, ich bin Christ, Meine Argumente für den Glauben, Kap. 5]).

 Im Glauben stark bleiben

Der Glaube ist kein Gefühl, keine Gemütsbewegung. Er ist ein Geschenk Gottes, das eine Entscheidung zu treffen hilft – die Entscheidung, unabhängig von unserem jeweiligen emotionalen Empfinden auf Christus zu vertrauen. Manchmal verkennen wir unser Glaubensgefühl und fehlinterpretieren unser Hochgefühl Gott gegenüber als Glaubensfülle bzw. unsere Niedergeschlagenheit als Glaubensmangel. Das ist jedoch ein Fehler. Der Glaube basiert nicht auf Stimmungen. Er ist ein Geschenk, das uns durch den Heiligen Geist angetragen wird und an dem wir auch festhalten müssen, wenn Zweifel und Ängste es in alle Winde zu zerstreuen drohen.

Aber gewöhnlich ist es nicht der Wind, der unseren Glauben zu zerstreuen droht; denn Winde sorgen ja in der Regel dafür, an etwas stärker festzuhalten. Nein, meist ist es Nachlässigkeit, die darin besteht, den Glauben irgendwohin zu verbannen, um später einmal auf ihn zurückzukommen, was dann aber nur selten geschieht. Deshalb legen Christen Wert darauf, täglich zu beten, in der Bibel zu lesen und ihre Sünden zu bekennen, sowie jede Woche zusammenzukommen. Dadurch dass wir uns das zur Regel machen, rufen wir uns den Inhalt unseres Glaubens immer wieder in Erinnerung und sind daher weniger der Gefahr ausgesetzt, unsere Zuversicht zu verlieren (s. Eph 3,12; Hebr 10,25).

Eine derartige, fortwährende Bestärkung, Glaubensgewohnheit bzw. -übung sorgt dafür, dass wir im Glauben stark bleiben, was wichtig ist, weil wir nur durch den Glauben allein die Dinge so sehen können, wie sie tatsächlich sind, und nicht so, wie sie uns erscheinen. Je mehr wir uns von Gott die Wahrheit ins Gedächtnis rufen lassen, umso weniger sind wir der Gefahr ausgesetzt, den Lügen der Sünde Glauben zu schenken.

 Ohne den Glauben klingen die von der Sünde verbreiteten Lügen wieder logisch. Ohne ihn meinen wir sofort wieder, Gott zürne uns und wir erreichten die Erlösung durch unser Wohlverhalten. Ohne den Glauben beginnen wir, das wahre Evangelium zu vergessen, was uns entweder den Weg der Arroganz beschreiten lässt oder aber den der Verzweiflung, je nachdem, wie wir mit unserer beschränkten Sichtweise unser Verhalten einschätzen.

Wollte man den Glauben beschreiben, könnte man sagen: Er manifestiert sich darin, kraft des Heiligen Geistes die Dinge so zu sehen, wie sie tatsächlich sind, anstatt den wechselnden Stimmungen unseres Gefühlslebens Glauben zu schenken. Und Tatsache ist, dass Gott uns liebt und uns durch den Tod und die Auferstehung Jesu Christi errettet hat.

                   Treue

Manche Christen meinen, Gott habe von Anfang an einige dazu bestimmt, errettet zu werden, und alle übrigen dem Verderben anheim gegeben. Die Heilige Schrift lehrt uns jedoch, dass der Allmächtige von Anfang an seine unerschütterliche Liebe festgeschrieben hat, d.h. seine durch nichts ins Wanken zu bringende Treue, die er im Bund mit den Menschen besiegelte (Apg 13,32-33). Er wird vollenden, wofür er in Christus von Anbeginn den Grund legte (Eph 1,9-10), und er wird dies unserer Treulosigkeit zum Trotz tun, weil er wahrhaftig treu ist (Röm 5,6). Ja, an unserer Untreue offenbart sich auf wunderbare Weise Gottes unerschütterliche Treue (Röm 5,10.15; Tit 3,3-7).

 In Christus wurde der Ewige, dessen Wort nicht gebrochen werden kann, als Gott im Fleisch um unsretwillen zur Verkörperung des vollkommen treuen Menschen und hielt so beide Seiten seines mit der Menschheit geschlossenen Bundes. Seinerseits, als Gott, verkörperte und stellte er alles, was wir zu einem gottesfürchtigen Leben brauchen (2Pt 1,3); unsererseits, als Mensch, verkörperte und brachte er Gott alles dar, was Menschen ihrem Vater im Himmel schulden (Röm 8,1-3). Deshalb finden wir die Fülle, unser wahres Ich nur in unserer Einheitmit Christus; denn nur in unserer Einheit mit Christus sind wir wahrhaftig so, wie es in Gottes Absicht lag, als er uns erschuf (Kol 3,3-4).