Die Unvernunft des Vertrauens


Die Unvernunft des Vertrauens

 Wenn Gott zur Menschheit sagt: Glaubt, verlangt er etwas, dass jenseits aller Vernunft liegt. Glaube ist vollkommen unlogisch. Allein seine Definition hat mit etwas völlig Unvernünftigen zu tun. Überlegt mal: der Hebräerbrief sagt, der Glaube ist ein Beharren auf dem, was man hofft, eine Überzeugung von Tatsachen, die man nicht sieht. Kurzum, es wird uns gesagt: “Es gibt keine greifbare Substanz und keinerlei Beweis.” Und doch sollen wir glauben. Könnt ihr euch irgendeine Forderung vorstellen, die unvernünftiger ist als diese? Vereinfacht sagt sie: “Akzeptiere dies ohne Beweis. Vertraue auf das nicht Sichtbare.” Es ist bar jeder Logik.

 Ich spreche dieses Thema aus wichtigem Grund an. Gerade jetzt, überall auf der Welt, ist eine große Anzahl Gläubiger von Entmutigung tief gebeugt. Gottes Kinder gehen durch Prüfungen, Kämpfe, Leiden und Verwirrungen aller Art. Tatsache ist, wir alle werden in diesem Leben ständig mit Entmutigung konfrontiert. Doch ich glaube, wenn wir die Natur des Vertrauens verstehen lernen – seine unlogische, unvernünftige Natur – werden wir die Hilfe finden, die wir benötigen um zu überstehen.

 Bedenke den Glauben, der von Noah gefordert war. Er lebte in einer Generation, die außer Kontrolle geraten war.

 Wir können nicht einmal ansatzweise nachvollziehen in welch bösen Zeiten dieser Mann lebte: Gewalt und Mord uferten aus. Riesen gebaren “mächtige Menschen”. Unaussprechliche Bosheit hatte sich mutwillig ausgebreitet. Der Zustand der Menschen war so fürchterlich geworden, dass Gott nicht länger zuschauen konnte. Schließlich sagte er: “Genug! Der Mensch ist entschlossen, sich selbst zu zerstören. Es muss ein Ende haben.

Er sagte zu Noah: “Ich werde alles Fleisch zerstören. Doch dich und deine Familie werde ich erhalten. Deshalb möchte ich, dass du eine Arche baust, Noah. Und ich will, dass du alle Arten von Tieren in ihr versammelst, jeweils zwei ihrer Gattung. Während du dies alles tust, gebe ich den Bewohnern dieser Erde 120 Jahre meiner Gnade. Dann werde ich einen Regen senden, der 40 Tage und Nächte lang nicht aufhören wird. Es wird eine große Flut geben und ich werde alles Leben auslöschen.” Gott fuhr dann fort, Noah die Abmessungen der Arche – ihre Länge, Breite und Tiefe – in großer Detailgenauigkeit mitzuteilen.

 Stellt euch Noahs Verwirrung vor, als er versuchte, all dies zu begreifen. Gott hatte vor, ein erdgeschichtlich katastrophales Ereignis zu schicken, eines, das die gesamte Erde zerstören würde. Und doch, alles was Noah über die Sache mitgeteilt wurde, waren diese kurzen Worte vom Himmel. Er sollte sie einfach im Glauben annehmen, ohne dass er während der nächsten 120 Jahre weitere Anweisungen erhalten hätte.

 Überlegt mal, welch ein Glaube von Noah gefordert wurde. Ihm war die Mammutaufgabe zuteil geworden, eine riesige Arche zu bauen. Und in der Zwischenzeit musste er in einer gewalttätigen, gefährlichen Welt leben. Er war umgeben von Riesen, Mördern, Skeptikern, die alle jeden seiner Schritte beobachteten. Ich bin sicher, sie verspotteten Noah, während er all die Jahre seiner langweiligen Arbeit an der Arche nachging. Und, verroht durch ihre Gewalttätigkeit, drohten sie ihm vermutlich auch, ihn zu töten. Doch der Glaube verlangte es, dass Noah sein Herz in “ehrbietiger Furcht” (s. Hebräer 11:7) hielt. Er musste weiter glauben, während die Welt um ihn herum tanzte, feierte und in Sinnesfreuden schwelgte.

 Im Wesentlichen hatte Gott zu diesem Mann gesagt: “Du sollst meinem Wort glauben, Noah. Ich fordere dich auf, mir zu gehorchen, ohne Ausreden. Wenn du jemals anfängst zu zweifeln oder dich danach fühlst aufzugeben, musst du auf das vertrauen, was ich dir gesagt habe. Ich gebe dir keinen anderen Beweis als nur mein Versprechen. Du sollst einzig auf dieses Versprechen hin handeln.”

Was ein vollkommen unlogisches Bild. Mit Sicherheit wurde Noah zuweilen behindert, von außen und von innen. Wie viele Tage verbrachte er entmutigt? Wie oft fragte er sich: “Das ist so albern und dumm. Wie kann ich wissen, ob das wirklich Gottes Stimme war?” Doch Noah tat, wie Gott es gesagt hatte. Er fuhr fort, dem ihm gegebenen Wort zu vertrauen – mehr als ein Jahrhundert lang. Und für seinen Gehorsam, so sagt es die Heilige Schrift, wurde Noah zum “Erben der Glaubensgerechtigkeit”(s. Hebräer 11:7).

Denkt an Abraham. Gott sagte zu diesem Mann, “Steh auf, geh hinaus und verlasse dein Land.”

Sicherlich wunderte sich Abraham. Auf die Frage “Doch wohin, Herr?” hätte Gott schlicht geantwortet: “Das sage ich dir nicht. Geh einfach.”

 Das war nicht logisch. Für jeden denkenden Menschen war das eine völlig unvernünftige Forderung. Ich möchte dies veranschaulichen, indem ich jede christliche Ehefrau frage: was wäre, wenn dein Mann eines Tages heimkäme und sagte: “Pack alles ein, Liebling, wir ziehen um.” Natürlich würdest du wissen wollen, warum, oder wohin, oder wie. Doch die einzige Antwort, die dein Mann dir gäbe, wäre “Keine Ahnung. Ich weiß nur, Gott hat es so befohlen.” Diese Art von Forderung ergibt keinen Reim, noch macht sie Sinn. Sie ist ganz einfach nicht logisch.

 Und doch ist es genau diese unlogische Richtungsweisung, der Abraham folgte. “Durch Glauben gehorchte Abraham, als er berufen wurde, nach einem Ort auszuziehen, den er zum Erbteil empfangen sollte; und er zog aus, ohne zu wissen, wohin er komme.” (Hebräer 11:8) Abraham sammelte seine Familie und zog aus, ohne zu wissen, wo er landen würde. Alles, was er an Information hatte, war das knappe Wort, das Gott ihm gegeben hatte: “Geh, Abraham, ich werde mit dir sein. Kein Leid soll dir geschehen.” Der Glaube erforderte es, dass Abraham auf nicht mehr als lediglich dies Versprechen hin handelte.

 In einer sternenklaren Nacht sagte Gott zu Abraham: “Schau hinauf zum Himmel. Siehst du die unzähligen Sterne? Zähle sie, wenn du kannst. Genauso zahlreich sollen deine Nachkommen sein.” (s. 1. Mose 15:5) Abraham hat sicher seinen Kopf darüber geschüttelt. Er war schon alt zu dem Zeitpunkt, wie auch seine Frau Sara. Beide waren sie lange aus dem Alter heraus, in dem es möglich ist, ein Kind zu bekommen. Und doch wird ihm hier das Versprechen gegeben, dass er zum Vater vieler Nationen würde. Und der einzige Beweis, den er dafür hatte, war ein Wort vom Himmel: “Ich bin der Herr.” (1. Mose 15:7)

 Doch Abraham gehorchte. Und die Bibel sagt von ihm das Gleiche, was sie auch von Noah sagt: “Und Abraham glaubte dem HERRN, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit.” (1. Mose 15:6) Wieder werden wir Zeuge einer unlogischen Szene. Doch der Glaube eines Menschen wird in Gerechtigkeit umgewandelt.

 Bedenkt die Kinder Israels. Überlegt, in welch prüfungsreiche Umstände Gott sie hineinführte.

Er befreite sie aus dem Griff des Pharaos in Ägypten, nur damit sie kurze Zeit später am Roten Meer eingekesselt wurden. Die Israeliten waren auf beiden Seiten von Bergen begrenzt und die pharaonische Armee rückte von hinten schnell näher. Es war eine hoffnungslose Situation, ohne menschlichen Ausweg. Ihre Herzen müssen geklopft haben, als sie das Gepolter der Streitwagen des Pharaos hörten und den von seinen Pferden aufgewirbelten Staub sahen.

 Obwohl ich den Ausgang dieser Szenerie kenne, möchte mein Fleisch mit Gott diskutieren: “Es scheint nicht fair zu sein, Herr. Welch traumatische Situation für diese Familien und ihre Kinder. Sie sind dort gefangen, ohne Flöße oder Boote und fragen sich, was sie tun sollen. Herr, in einer Nacht hast du alle Erstgeborenen Ägyptens getötet. Warum hast du dann nicht auch all diese Soldaten in der Wüste umkommen lassen? Wo ist der Unterschied, ob du sie nun ertrinken lässt oder sie in der Wüste tötest? Es ist unverständlich, mit all diesen kleinen Kindern, die weinen und all den vor Furcht bebenden Männer und Frauen. Sie haben dir gehorcht und doch hast du zugelassen, dass dies über sie kam. Warum mussten sie so etwas durchmachen?”

 Die Tatsache ist unausweichlich: Gott führte sie in diese Situation hinein. Und der ganze Vorgang ist unlogisch, absolut unvernünftig. Gott erwartete einfach, dass sie auf das Wort vertrauten, welches er ihnen bereits gegeben hatte: “Ich werde euch in meine Arme nehmen und durch die Wüste tragen. Kein Feind wird gegen euch bestehen, denn ich werde mit euch sein. Ihr müsst nur ruhig stehen bleiben und der Rettung des Herrn entgegensehen.”

 Ich frage euch nun: wie viele von uns heute hätten dort furchtsam und weinend gestanden, wie es die Israeliten taten? Wenn wir ehrlich sind, wissen wir, dass wir in den meisten unserer Krisen auch jetzt genau so reagieren. Gleicht der Zustand unserer Herzen nicht dem ihrer Herzen damals?

Vereinfacht gesagt: Glaube verlangt uns viel ab. Er erfordert, dass wir, sobald wir Gottes Wort hören, darauf vertrauen, ohne einen anderen Hinweis, er uns in Richtung bringt. Es kommt nicht darauf an, wie groß unsere Hindernisse sein mögen oder wie unmöglich unsere Umstände. Wir sollen seinem Wort glauben und daraufhin handeln, ohne einen weiteren Beweis, auf den wir uns verlassen könnten. Gott sagt: “Mein Versprechen ist alles, was du brauchst.”

 Ich glaube, nichts hat sich verändert, seit die Patriarchen alter Zeiten gelebt haben.

Wie jede Generation vor uns, fragen auch wir: “Herr, warum werde ich mit dieser Prüfung konfrontiert? Es übersteigt mein Verständnis. Du hast in meinem Leben so viele Dinge zugelassen, das ergibt einfach keinen Sinn. Warum gibt es keine Erklärung für das, was ich durchmache? Warum ist meine Seele so betrübt, so angefüllt von großen Prüfungen?”

 Hört noch einmal genau hin: die Erfordernisse des Glaubens erscheinen der Menschheit vollkommen unvernünftig. Wie also beantwortet der Herr unser Rufen? Er sendet sein Wort und erinnert uns an seine Versprechen. Und er sagt: “Gehorche mir einfach. Vertraue meinem Wort an dich.” Er akzeptiert keine Ausrede, keinen Ungehorsam, ganz gleich, wie unmöglich unsere Umstände erscheinen mögen.

 Bitte missversteht mich nicht. Unser Gott ist ein liebender Vater. Und er lässt es nicht zu, dass seine Kinder wahllos, ohne einen Grund, leiden. Wir wissen, dass ihm alle Macht und aller Willen zur Verfügung stehen, jedes Problem und alles Herzeleid vergehen zu lassen. Er kann einfach nur ein Wort sprechen und uns so von aller Prüfung und allen Kämpfen befreien.

 Und doch, Tatsache ist, Gott wird uns nicht zeigen, wie oder wann er seine Versprechen an uns erfüllen wird. Warum? Er schuldet uns keine Erklärung, wenn er uns doch bereits die Antwort gegeben hat. Er hat uns alles, was wir zum Leben und zur Gottesfurcht benötigen, in seinem Sohn, Jesus Christus, gegeben. Er ist alles, was wir in jeder Situation brauchen, die das Leben uns entgegen schleudert. Und Gott wird auf dem Wort stehen bleiben, das er uns bereits offenbart hat: “Du hast mein Wort innerhalb deiner Reichweite. Meine Verheißungen sind Ja und Amen all denen, die glauben. Deshalb ruhe in meinem Wort. Glaube und befolge es.”

Die Bibel sagt uns, Israel “forderte Gott zehn Mal heraus” in der Wüste. Was waren diese Herausforderungen? Es waren zehn Situationen, in denen die Israeliten sich mit großen Prüfungen konfrontiert sahen. Immer und immer wieder wurden diese Menschen in Umstände hineingestellt, die unmöglich erschienen. Vielleicht hast du, wie auch ich, manchmal schon gefragt: “Herr, warum all diese Prüfungen?”

 In jedem einzelnen Fall versuchte Gott, einen Schimmer des Glaubens in seinem Volk aufkommen zu lassen. Er suchte nach dem kleinsten Maß an Vertrauen, auf das er aufbauen konnte. Wisst ihr, er wollte der Welt ein Zeugnis seiner Treue zu seinem Volk geben. Und Israel sollte dieses Zeugnis sein. Im Wesentlichen sagte Gott: “Wenn ich meine Kinder in Prüfungen führe, erwarte ich, dass sie auf meine ihnen gegebenen Verheißungen hin handeln. Mein Wort ist all denen Leben, die glauben. Und ich möchte, dass diese Botschaft einer verlorenen und sterbenden Welt gepredigt und demonstriert wird.”

 Dieses Wort war bereits dem Volk Israel zugänglich gemacht worden. Gott hatte ihnen gesagt: “Ich werde euch aus der Bedrängnis führen, in ein Land, in dem Milch und Honig fließt. Niemand wird euch widerstehen können. Der ICH BIN wird mit euch sein. Und keine meiner Verheißungen wird zunichte werden.” Dasselbe gilt auch heute für Gottes Kinder. So lange diese Erde besteht, werden seine Versprechen dieselben bleiben: “Ich werde dich aus der Bedrängnis führen. Vertraue dem großen ICH BIN.”

 Das ist der Grund, warum der Gott äußerster Geduld, keine Geduld mit dem Unglauben seiner Kinder hat. Der Hebräerbrief sagt: “Welche wurden denn verbittert, als sie es hörten?” (Hebräer 3:16) Was hatten sie denn gehört? Sie hatten Gottes Wort gehört: Verheißungen der Bewahrung, Führung und Güte. Doch anstatt auf dieses Wort zu vertrauen, konzentrierten sie sich auf ihre hoffnungslosen Umstände. Und sie erlaubten dem Unglauben, in ihren Herzen Fuß zu fassen. Gott reagierte mit den Worten: “Sie aber erkannten meine Wege nicht, so dass ich schwur in meinem Zorn: Sie sollen nicht eingehen in meine Ruhe!” (Hebräer 3:11)

 Diese Menschen wollten etwas Vernünftiges. Sie wollten auf etwas stehen, dass sie sehen, fühlen und berühren konnten. Sie wollten, dass Gott ihnen den Weg, der vor ihnen lag, vorbuchstabierte. Doch das ist kein Glaube. Glaube bedeutet zu sagen: “Gott hat mir eine Verheißung gegeben. Und ich werde leben und sterben nach dieser Verheißung. Es ist mir egal, was ich tun muss, um sie zu erlangen. Ich riskiere alles, mein ganzes Leben, auf sein mir gegebenes Wort hin.”

Der Hebräerbrief fragt: “Welchen zürnte er aber vierzig Jahre lang? Waren es nicht die, welche gesündigt hatten, deren Leiber in der Wüste fielen? Welchen schwur er aber, dass sie nicht in seine Ruhe eingehen sollten, als nur denen, die ungehorsam gewesen waren?

 Und wir sehen, dass sie nicht eingehen konnten wegen des Unglaubens.” (Hebräer 3:17-19)

 Tatsache ist, jede von Israels Prüfungen ging vorüber. Und Gott befreite sie treu aus jeder einzelnen. Und doch endeten dieselben Israeliten, die Gottes Güte erlebt hatten, tot in der Wüste. Warum? Jedes Mal, wenn eine Prüfung sie ereilte, murrten sie und wurden hartherzig und weigerten sich, zu glauben.

 Was ist mit dir? Bist du in diesem Moment an einem Furcht einflössenden Ort, wie es Israel war? Fühlst du dich hoffnungslos, leer, bis aufs Nichts entblößt? Jedem, der mit einem ernstlichen Kampf konfrontiert ist, sage ich, auch deine Prüfung wird vorüber gehen. Also, was erwartet Gott nun von dir, inmitten der Prüfung?

 Vielleicht bist du bedrückt, geplagt von einem Kampf, der nicht zu enden scheint. Du bist tief gebeugt, schlimmer entmutigt, als du es jemals warst. Deine Freunde mögen dir sagen: “Heule und jammere nicht. Damit zeigst du keinen Glauben.” Doch so ist es nicht. Die Wahrheit ist, wenn du Glauben hast, bist du in der Lage zu weinen. Du kannst deinem Schmerz nicht entgehen. In Wahrheit liegt Heilungskraft in deinen Tränen. Denn Wehklage hat nichts damit zu tun, ob du Gottes Wort vertraust oder nicht.

 Es mag Zeiten geben, wo du fragst: “Herr, was habe ich falsch gemacht? Welche Sünde habe ich begangen? Ist das dein Gericht auf mir?” Möglicherweise hast du sogar das Bedürfnis, dich ihm entgegenzustellen und zu rufen: “Warum hast du zugelassen, dass das passiert? Was habe ich getan, dass dich zu so etwas veranlasst?” Ich sage dir, Gott gibt dir Zeit für solche Fragen. Er erlaubt deinem Fleisch, einen Koller zu bekommen.

Dann, endlich, kommt der Herr zu dir und sagt: “Du hattest ein Recht auf alle diese Gefühle. Doch du hast kein Recht, mich zu beschuldigen oder an mir zu zweifeln. Ich habe dir ein Versprechen gegeben. Tatsächlich habe ich dir alles gegeben, was du brauchst. Und du sollst jetzt dieses Versprechen in Anspruch nehmen. Wenn du das tust, wird mein Wort Leben für dich werden. Es wird dir Heilung bringen, die wirksamer ist, als jede Medizin, machtvoller als jeder Tränenstrom.”

 Durch die ganze Bibel hindurch finden wir Gottesmänner und –frauen, die durch tiefe Erschütterungen an Seele und Geist gegangen sind.

 Immer und immer wieder fragt der Psalmist: “Warum ist meine Seele niedergeschlagen? Ich fühle mich nutzlos, verlassen. Es ist solch eine Unrast in mir. Warum, Herr? Warum fühle ich mich so hilflos in meiner Bedrängnis?” Diese Fragen sprechen für eine große Anzahl derer, die Gott geliebt und ihm gedient haben.

 Nimm den gottesfürchtigen Elia zum Beispiel. Wir finden ihn unter einem Wacholderbaum, wie er Gott bittet, ihn zu töten.

 Er ist so niedergeschlagen, er ist an dem Punkt angelangt, dass er sein Leben aufgeben will. Wir finden auch den rechtschaffenen Jeremia in Verzweiflung niedergedrückt. Der Prophet schreit: “Herr, du hast mich getäuscht. Du hast mir befohlen, all diese Dinge zu prophezeien, doch keins davon ist eingetroffen. Ich habe nichts getan, als dich mein ganzes Leben lang zu suchen. Und so wird es mir vergolten? Nun werde ich deinen Namen nicht länger nennen.”

Jeder dieser Diener hatte eine vorübergehende Attacke des Unglaubens. Doch der Herr verstand ihren Zustand in Zeiten der Verwirrung und des Zweifels. Und nach einer gewissen Zeit wies er sie immer auf den Ausweg hin. Inmitten ihrer Bedrängnis machte der Heilige Geist das Licht für sie an. Und die Heilige Schrift hält ihre Erfahrungen als Beispiele für uns fest.

 Denkt daran, wie Jeremias davon zeugt, wie er aus seiner Grube herausfand:

 “Fand ich deine Worte, so verschlang ich sie; deine Worte sind zur Freude und Wonne meines Herzens geworden.” (Jeremia 15:16) Auch David bezeugte: “Ich gedachte deines Wortes.” Und Elia sagte: “Dein Wort kam zu mir.” An einem bestimmten Punkt erinnerte sich jeder dieser Diener an Gottes Wort. Und es wurde zur Freude und zum Jubel ihres Lebens und zog sie aus ihrer Grube heraus.

Die Wahrheit ist, während der ganzen Zeit, in der diese Menschen kämpften, saß der Herr wartend neben ihnen. Er hörte ihre Rufe, ihren Schmerz, ihre Pein. Und nachdem eine gewisse Zeit vergangen war, sagte er zu ihnen: “Du hast es nun hinausgeschrieen. Du hattest deine Zeit des Kummers und des Zweifels. Nun will ich, dass du mir vertraust. Wirst du zu meinem Wort zurückkehren? Wirst du mein Versprechen an dich in Anspruch nehmen? Wenn ja, wird mein Wort dich hindurch führen.”

 Es tut nichts zur Sache, wie wir in unsere hilflose Situation geraten sind. Manchmal ist es das Wirken des Herrn, um uns ans Ende unserer eigenen Weisheit zu bringen. Manchmal ist es der Feind, der uns angreift, wie er es mit Hiob tat. Manchmal ist es unser Fleisch, sei es durch Versuchung oder durch mentale oder physische Prüfungen. Fakt ist, es ist egal, wie wir dorthin gekommen sind. Was allein zählt ist, wie wir wieder herauskommen. Und es gibt keinen anderen Weg hinaus als durch Gottes Wort.

 Der Heilige Geist ist treu in seinem Reden zu uns. Er lässt uns wissen, wann es Zeit ist alle unsere Zweifel und Fragen zur Seite zu legen. Tun wir es nicht – wenn wir uns weigern, wieder auf Gottes Wort zu vertrauen, so dass seine Verheißungen erneut zur Freude unseres Lebens werden – wird Unglaube einsetzen. Und er wird sich wie Beton verhärten. An diesem Punkt fallen wir in ein Loch, aus dem wir nicht mehr heraus kommen. Jeder unserer Gedanken gegen Gott wird hart und anklagend sein, anstatt vertrauend. Und sein Zorn richtet sich gegen alle, die ihr Vertrauen auf sein Wort aufgeben.

 Im Neuen Testament finden wir, was die wohl unvernünftigste Einforderung von Glauben sein muss, die Gott je an die Menschheit gestellt hat.

 Jahrhunderte lang hatten die Juden auf die Ankunft des Messias gewartet. Sie glaubten,der Retter Israels würde ein König sein, der in Majestät und Macht kommen und seine Herrschaft in Jerusalem errichten würde. Er würde ein mächtiger Befreier sein und eine unbesiegbare Armee befehligen. Und er würde das Joch zerbrechen, das Rom auf den Nacken Israels gelegt hatte. Anschließend würde er jede andere Macht vom Angesicht der Erde tilgen.

 Könnt ihr euch die große Erwartung vorstellen, die jeder Jude mit dem Kommen seines Erlösers verband? Er würde alle Krankheit auslöschen, jeden Schmerz wegnehmen, die Armen von der Armut befreien und den Menschen alles geben, was ihr Herz begehrt. Er würde Israel zu einem großartigen Volk und einer erfolgreichen Nation machen. Und all das täte er in einer unglaublichen Zurschaustellung von Macht.

 Nun, ist so der Messias angekommen? Nein, wir wissen, dass es nicht so war. Von allen denkbaren Orten wurde er tatsächlich in einem Stall geboren. Und die Geschichte seiner Menschwerdung ist der am meisten unlogische, unvernünftige Aspekt des Ganzen. Dieser Messias hatte keinen irdischen Vater, er wurde unbefleckt durch den Heiligen Geist empfangen und im Leib einer Jungfrau ausgetragen. Seine Ankunft wurde nicht von mächtigen Trompeten kundgetan, sondern von einem alten Priester und einer ältlichen Prophetin. Sie erklärten einfach: “Hier ist der, den Israel erwartet. Glaubt an ihn, denn er ist Gott.”

Von wem sprachen sie da genau? Von einem bescheidenen Nazarener, einem Zimmermann. Als Jesus auf der Bildfläche erschien, sagten die Menschen: “Wartet mal, wir kennen die Eltern dieses Burschen.” Jemand mag vielleicht gesagt haben: “Joseph hat ihn mal in unser Haus mitgebracht, damit er hilft, unseren Tisch zu reparieren.” Wie konnte man von irgendjemandem erwarten, dass er glauben würde, solch ein Mann sei der Messias? Es war total unvernünftig.

 Jesus verkündete seine Herrschaft nicht mit einer mächtigen Armee. Er kam lediglich mit zwölf weitgehend ungebildeten Jüngern aus der Arbeiterklasse an. Sie waren nicht in großartiger Theologie geschult. Sie waren Fischer, Tagelöhner, Händler. Und Jesus war nicht anders. Wie also konnte jemand anerkennen, dass er eine Autorität im Wort Gottes war? Jeder wusste, dass Israels wahre Führer zu Füßen Gamaliels saßen und vom angesehensten Gesetzeslehrer jener Tage lernten. Währenddessen lehrte dieser Zimmermannssohn in den Wüsten und entlang der Küsten. Sein Publikum bestand aus Witwen, Aussätzigen und Prostituierten. Und ihnen allen erzählte er: “Ich bin Gott, der Fleisch geworden ist. Glaubt an mich.”

Stellt euch nur mal die Reaktion eines jeden religiösen Führers vor: “Dieser Mann steht in den Synagogen und erklärt, er sei der Messias. Er sagt, er wäre von Gott gesandt. Doch er hat keine königliche Geburt oder Herkunft aufzuweisen. Er hat noch nicht einmal einen Platz, wohin er sein Haupt betten könnte. Er rauscht in den Tempel und treibt alle unsere Händler hinaus. Und er nennt den Tempel `meines Vaters Haus´. Doch er erklärt nicht, woher er solche Vollmacht hat. Tatsächlich behauptet er, er sei der Tempel Gottes. Er sagt, er hätte schon vor Abraham existiert.”

 “Er sagt, er sei lebendiges Wasser, Brot vom Himmel, beides – Mensch und Gott. Dann verwendet er eine bizzare Ausdrucksweise, sagt uns, wir sollten seinen Leib essen und sein Blut trinken. Er sagt, wenn wir ihn gesehen hätten, hätten wir den Vater gesehen. Doch wenn wir nicht an ihn glaubten, glaubten wir nicht an Gott. Doch was autorisiert ihn zu all diesen Behauptungen? Darauf gibt es doch lediglich sein Wort. Er kommt einfach daher und sagt: “Vertraut mir.””

 Denkt darüber nach, was diese Pharisäer Jesus sagen hörten: “Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.” (Johannes 5:24) Doch sie protestierten und sagten zu Jesus: “Du zeugst von dir selbst; dein Zeugnis ist nicht wahr!” (Joh. 8:13) Jesus antwortete den Pharisäern mit einer weiteren unvernünftigen Erklärung: “Es steht aber auch in eurem Gesetze geschrieben, dass das Zeugnis zweier Menschen wahr sei. Ich bin es, der ich von mir selbst zeuge, und es zeugt von mir der Vater, der mich gesandt hat.” (Joh. 8:17-18)

 Abschließend bringt Jesus die ganze Angelegenheit in Relation. Er sagt zu ihnen: “Warum versteht ihr meine Rede nicht? Denn ihr könnt ja mein Wort nicht hören!” (Joh. 8:43) Damit sagte er: “Ihr könnt mich nicht begreifen, weil ihr mein Wort nicht vernehmt.” Dasselbe gilt auch heute noch für jeden Gläubigen. Es läuft alles auf eine Sache hinaus: Vertrauen in Gottes Wort. Sein Wort allein ist unser Leben und unsere Hoffnung.

 Bis auf den heutigen Tag ist Gott unduldsam gegen den Unglauben seines Volkes.

 Wir leben in einer Zeit der größten Evangeliumsoffenbarung der Geschichte. Es gibt mehr Prediger, mehr Bücher, mehr Evangeliumssättigung durch die Medien als jemals zuvor. Und doch hat es nie mehr Not, Bedrängnis und sorgenvolle Gemüter unter den Kindern Gottes gegeben. Pastoren richten ihre Gottesdienste darauf aus, Menschen aufzurichten und ihnen zu helfen, mit ihrer Verzweiflung fertig zu werden. Sie predigen von Gottes Liebe und Geduld. Sie erinnern uns daran, dass er unsere Zeiten der Entmutigung versteht. Uns wird gesagt: “Halte fest, sei ermutigt. Selbst Jesus fühlte sich von seinem Vater verlassen.”

 Daran ist nichts Falsches. Ich selbst predige diese Wahrheiten. Und doch glaube ich, dass es immer noch einen Grund gibt, warum wir so wenig Sieg und Befreiung sehen: es ist der Unglaube. Tatsächlich hat Gott mit großer Klarheit in diesen letzten Tagen gesprochen. Und dies ist, was er gesagt hat: “Ich habe dir bereits ein Wort gegeben. Es ist vollendet und vollkommen. Nun stell dich darauf.”

 Lass dir von niemandem erzählen, wir würden eine Hungersnot in Bezug auf Gottes Wort erleben. Die Wahrheit ist, unsere Hungersnot bezieht sich auf das Hören des Wort Gottes, und auf das Befolgen des Wort Gottes. Warum? Glaube ist so unvernünftig. Doch Glaube kommt nie durch Logik oder Vernunft zu uns. Paulus erklärt es einfach: “Demnach kommt der Glaube aus der Predigt (aus dem Hören), die Predigt aber durch Gottes Wort.” (Römer 10:17) Dies ist die einzige Weise, auf die wahrer Glaube im Herzen eines Gläubigen jemals aufsteigen wird. Er kommt durch das Hören – das heißt, glauben, vertrauen und handeln – des Wort Gottes.