Der Sündenfall


Gott ist alles-das-was-ist. Außer ihm gibt es überhaupt nichts. Also ist alles Geschaffene innerhalb von Gott.

Damit erfolgt eine Unterscheidung, nämlich zwischen dem Ungeschöpflich-Schöpferischen (und das wird allgemein unter Gott verstanden), das ewig ist und dem Geschaffenen, das dem Wechsel unterliegt, und damit zeitlich ist.
Nun wurde die menschliche Gestalt vom Ewigen geschaffen. Also, was entsteht ist auch vergänglich. Wir würden sagen es stirbt. Aber es ist eben immer nur die spezifische Form, die vergeht. an ihre Stelle tritt eine neue, die auch wieder vergeht usf. Deshalb kann man auch sagen: Nichts stirbt - nur die Formen wandeln sich.

Gab es nun vor dem Sündenfall den Tod?

In dem Sinne, wie wir ihn jetzt erleben, gab es ihn garantiert nicht. Wenn du 1.Mose liest, dann siehst Du ja, dass "Adam und Eva" nach ihrer Übertretung noch lange gelebt haben. "Tod" ist aber im biblischen Sinne etwas anderes. es heißt ja von den ungläubigen, dass sie "tot" in ihren Sünden sind. Und doch diskutieren sie hier mit uns ganz quicklebendig!
Das ist es, was mit dem Sündenfall auftrat: Das innere Erleben der Menschen vorher war von innerer Harmonie und Frieden gekennzeichnet. Es wird berichtet, dass ihre erste Tätigkeit darin bestand, den Tieren Namen zu geben.
Das heißt, um das tun zu können, setzte ein Erkenntnisprozess ein. Das ist völlig logisch. denn die Qualität des Lebendigen ist u.a. Wahrnehmung und durch Vergleich der Wahrnehmungen Erkenntnis. Das ist auch heute noch so.
Jeder Erkenntnisprozess beinhaltet eine gewisse Logik. d.h es herrscht keine Willkür.So schritt die Erkenntnis ganz logisch von der Erkenntnis der Tiere zu derjenigen des Menschen selbst fort (Es kam also logischerweise zur Selbsterkenntnis). Selbsterkenntnis bedeutet aber hier der Form (also der Gestalt).
Die Erkenntnis hätte nun ein Ende haben können. Auch heute noch läuft der Erkenntnisprozess auf diese Weise ab: Zuerst erkennt man, was alles in der Umgebung ist, und dann betrachtet man sich selbst.(bei einem Kleinkind beginnt im gewissen Sinne die Selbstbetrachtung mit dem dritten Lebensjahr, wo es beginnt "Ich" zu sagen.)
Durch das geschehende Erkennen hatte das Leben des Menschen eine ganz spezifische Richtung genommen: nämlich zu erkennen. Es war ein Erkenntnistrieb entstanden. Dieser zeigte sich dem Bewusstsein als Schlange.
Und so trieb ihn dieser Trieb noch weiter zu forschen: Ja, was ist denn nun "hinter" der Form.
"Hinter" der Form ist das Formlose, das Schöpferische, also Gott. Da aber das Formlose nicht mit der Form verglichen werden konnte, denn es hat ja keine Gestalt, wurde der Erkenntnistrieb zunichte. D.h. vorher ist alles glatt gegangen und nun stellte sich Dunkelheit, nämlich Nichterkennenkönnen in den Weg.
Das war für ihn völlig irrational, während vorher alles rational war. So fühlte er sich in seiner gesamten Existenz bedroht, da sein Wille(Trieb) in der gewollten Richtung nicht mehr weiter konnte. Und dieses irrationale Empfinden einer anderen Macht, erzeugte Angst, und diese Grundangst hat seitdem jedes Lebewesen, das sich mit seinem physischen Körper - also dem Formaspekt - identifiziert.

Kind Gottes zu sein, heißt sich nicht mehr mit dem Formaspekt zu identifizieren, sondern mit dem Formlosen, also dem Ewigen. Und diese Änderung des Standpunktes bewirkt, dass der Mensch von aller Angst und damit allen Folgesünden frei werden kann. Und dieses Freiwerden und dann Freisein schafft die ewige Glückseligkeit, das ewige Leben. Also eine ganz andere Lebensqualität, als wir jetzt besitzen.

Der physische Körper
Natürlich ist der physische Körper erschaffen. Deshalb ist er ja auch vergänglich. Aber dem Menschen wurde, wie Du in 1. Mose nachlesen kannst, der "Odem des Lebens" eingehaucht. Dieser Odem des Lebens ist ewig. Alles, was nicht erschaffen ist, ist ewig. Der Mensch wurde ja nach dem Bilde und Gleichnis Gottes geschaffen.

Wenn Du dann liest, dass die Tiere mit Namen benannte werden sollten, dann siehst Du, dass ein Erkenntnisprozeß ablief, nämlich zunächst die Geschöpfe um sich herum zu erkennen, um schließlich zur Selbsterkenntnis zu kommen. Als Adam sprach: Diese (Eva) ist Gebein von meinem Gebein usw. begann die Identifizierung des Menschen mit seinem physischen Körper. Aber der Odem des Lebens blieb auch nach dem Fall in ihm.

Unterschied zwischen Gläubigen und Ungläubigen
Ein Sünder "lebt" auch ewig. Denn mit ewig ist ja hier nichts anderes als die Seinsweise, die Existenzweise gemeint. Der Sünder hat aber in der Verdammnis (wo er ja existieren muß, um sie wahrzunehmen) eben Leid zu erleben.
(Wenn es den Tod als endgültige Auslöschung gäbe, dann gäbe es keine Hölle. Dann wäre es auch einfacher für die geplagte Menschheit, sich einen Strick zu nehmen, anstatt sich durchs irdische Dasein zu quälen.)

Der Unterschied zwischen einem Erretteten und einem Ungläubigen besteht lediglich darin, daß der Gläubige w e i ß , dass er ewig lebt, sich deshalb freut, die Angst in der Welt überwindet, während ja der Ungläubige leugnet, dass es ein Weiterleben gibt, deshalb der Angst und seinen weltlichen Begierden verhaftet bleibt. In der nachtodlichen Welt kann er aber seine Begierden nicht ausleben. Er kann da auch nicht viel mehr als Finsternis wahrnehmen usw. Deshalb wird ihm dieses Dasein dort recht unangenehm sein.