Der Opfertod Jesu


Gott kannte keinen Tod. Denn Gott ist das Leben und Tod ist die Verneinung des Lebens.
Der Mensch kannte aber den Tod, und er ist in ihm (bis zum Auferstehung Jesu)gefangen. Alle weiteren Sünden (Sünde heißt "Trennung" von Gott) resultierten aus diesem Gefangensein: Selbsterhaltungstrieb, Begierden etc.
Der Mensch konnte also nur erlöst werden, wenn diese durch den Tod geschehene Trennung von Gott wieder aufgehoben würde.
Also musste* sich Gott in den Tod (in dem sich der Mensch befindet) begeben. Er musste also Mensch werden und wie ein Mensch sterben, um Anteil, Gemeinschaft mit dem Menschen zu haben. Wenn aber Gott - der das Leben ist - sich in den Tod begibt, dann bringt er ja wieder das Leben in den Tod, hebt ihn also dadurch auf. Deshalb konnte Paulus jubeln: "Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg?"
Jeder, der deshalb weis, dass der Tod nun nicht mehr das letzte Wörtchen spricht, hat ewiges Leben. Und dieser freudige Glaube befreit auch von allen anderen Trennungen (Sünden), die aus der Urtrennung (dem Tod) entstanden sind.
Lieben wir aber die Sünde mehr, dann kann uns nichts und niemand befreien. Denn: Wo Euer Herz ist, da ist Euer Schatz.

*Das "musste" ist hier nicht als Einschränkung der Freiheit zu verstehen, sondern als Kennzeichnung was getan werden musste. Im Sinne, wenn man warmes Wasser haben möchte, muss es erwärmt werden. Anders geht es nicht.
Damit ist auch schon beantwortet, dass es gar keine andere Möglichkeit gab, den Menschen von der Macht des Todes zu erlösen.
Wenn man zu begreifen sucht, was Leben und Tod eigentlich ihrem Wesen nach sind - also Leben und Tod nicht nur oberflächlich betrachtet, wie das allgemein geschieht -
dann wird manches begreiflich, was vorher ein großes Rätsel schien.
Viele Glaubensfragen könnten überhaupt gelöst werden, wenn die Fragesteller etwas demütiger wären und selbstintensiv nach Lösungen suchten, anstatt schnell andere zu fragen und gleich wieder Paroli zu bieten.(Das soll jetzt kein Vorwurf sein. Aber in unserer schnelllebigen Zeit hat man gerne Instant - Antworten)
Es geht um sehr ernste Themen. Es geht um eines jeden Existenz. Und das nicht nur im physischen Sinne.

Natürlich ist die Trennung ohne Gottes Zutun geschehen. Sie war auch vorauszusehen. Sie war aber auch nicht zu verhindern gewesen.
Durch die Schöpfung sind Gott Grenzen gesetzt, die er nicht einfach aufheben kann. Um beim vorigen Beispiel des Wassers zu bleiben: Wasser muss bestimmte Eigenschaften behalten, um noch Wasser zu sein.
Wenn der Mensch nach dem Bilde und Gleichnis Gottes geschaffen ist - eine Tatsache, die nicht nur geglaubt, sondern auch erkannt werden kann - dann ist der Mensch zur Freiheit berufen. Also kann Gott Ratschläge geben, aber nicht Menschen an ihrem Tun hindern. Das beantwortet gleichzeitig auch die häufig zu hörenden Vorwurf, wenn es Gott wirklich gäbe, dann würde er etwas gegen das Elend in der Welt unternehmen.
Gott hat bereits alles getan. Wenn wir seine Erlösung annehmen, dann werden wir aus dem Elend errettet. Wer dann noch was für den anderen tun will, und das will wohl jeder Erlöste, der sagt die Frohe Botschaft weiter und hilft sicher auch da wo physische oder emotionale Hilfe nötig ist.

 

Der Begriff „Opfer“

Allen denen, den der Begriff „Opfer“ so viel Schwierigkeiten bereitet, möchte ich sagen: Wie blind seid ihr denn? Ist nicht alles um uns herum voller Opfer, geschehen sie nicht täglich, stündlich, minütlich - kurz allezeit und überall im gesamten Kosmos?
Haben Eure Eltern nicht ihre Zeit und Kraft geopfert, um Euch großzuziehen?
Nehmt Ihr keine Nahrung zu Euch? Verwandelt Ihr durch Eure Atmung nicht Sauerstoff in Kohlendioxyd? Gebt Ihr Euch nicht dem Partner hin?
Opfer ist doch die selbstverständlichste Sache von der Welt. Und davon sollte Gott ausgenommen sein? Er war der Erste, der sich opferte: Als der gesamte Kosmos in Erscheinung trat (s. dazu auch 1.Petr. 1,20). Und um die Kluft zwischen Ihm und uns Menschen zu überwinden, war es natürlich auch nötig.
Wenn Ihr es nicht christlich haben wollt, sondern lieber philosophisch: Habt Ihr noch nichts gehört vom dialektischen Grundgesetz (These, Antithese, Synthese), dass diesen permanenten Prozess abstrakt zur Sprache bringt?
Entscheidend ist nicht die Frage Opfer ja oder nein, sondern freiwillig oder gezwungen? Freiwillige Opfer nennt man Liebe. Gezwungene nennt man Gewalt.
Wer also nicht bereits ist, wenn es - das ist jetzt schwer auszudrücken und kann leicht missverstanden werden, aber man muss ja Worte wählen - „Zeit und Stunde fordern“, der wird geopfert.
Die Völker zu biblischen Zeiten und auch das Volk Israel konnten da keine Ausnahme sein. Ihr seid zu sehr abstrakte Theoretiker und betrachtet zu wenig das Leben. Deshalb versteht Ihr nichts. Außerdem liegt Euch eine falsche Anwendung des Begriffes „Person“ in Bezug auf Gott vor. Gott ist nicht eine Person im menschlichen Sinne. Das aber zu begreifen, setzt ein tiefes Eindringen in die Geheimnisse des Seins und Daseins voraus.
Vielleicht habt Ihr aber Schwierigkeiten Euch hinzugeben? Wer aber bleiben will, wie er ist, und nicht „ja“ sagt zu ständigen Wandlung, der erstarrt und kristallisiert und ist dann Opfer der ihm ungünstigen Umstände, da sich alles um ihn herum gewandelt hat.
„Wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren. Wer es aber verliert um meinetwillen, der wird es gewinnen“, sagt Jesus in den Evangelien. Wir Menschen können an der Begrenzung festhalten, die darin besteht, dass wir nur Materie seien und mit dem Tode alles aus. Wir können aber auch begreifen, dass wir ewige Wesen sind und damit alles loslassen was aus der falschen Identifikation stammt. Das ist ein herrliches Leben, das dann HIER und JETZT beginnt und immer mehr wächst. Intensiver und umfangreicher wird. Ganz wunderbar!

Allgemeines zu Begrifflichkeiten

Man wird es nie hinbekommen, dass alle unter einem Begriff dasselbe verstehen. "Opfer" ist in meiner Sprachgegend nicht nur negativ besetzt. Es ergibt sich die Bedeutung aus dem Zusammenhang.
Ich denke, nach dem Wortverständnis, bedeutet Opfer, dass etwas hingegeben, aufgegeben wird, etwas nicht seinen ursprünglichen Status behalten kann.
Jeder, der liebt gibt etwas von sich preis. Tiere können ihr Leben nicht behalten, da sie geschlachtet werden, damit ich sie essen kann. Ihr Leben wird also geopfert.
In dem umfassenden Sinne verstehe ich Opfer, und dann ist die Unterscheidung zwischen freiwillig und gezwungen, doch sehr einleuchtend.
Im Übrigen ist es mit der Verständigung immer so, dass wir versuchen müssen zu verstehen, was meint derjenige, der etwas äußert, und nicht das man von abstrakten Definitionen oder eigenen Definitionen ausgeht. Es ist also immer Einfühlung notwendig. Wie heißt es schon in der Bibel? - "Der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendig." - Soviel zur Verständigung.

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