Christliche Verbände schlagen Runden Tisch mit Muslimen und Minarettgegnern vor

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Minarett in der Türkei (Bild: Wikipedia).

Gleichzeitig mit der Veröffentlichung einer neuen Stellungnahme zu den Muslimen in der Schweiz laden SEA und VFG Muslimverbände und die Verantwortlichen der Initiative gegen den Bau neuer Minarette zu Gesprächen am Runden Tisch ein. In den Briefen an die verschiedenen Interessengruppen wünschen sie sich, dass die Initiative zurückgezogen würde und Muslime freiwillig auf den Bau weiterer Minarette verzichteten.

Wir gelangen heute in erster Linie an Sie, weil wir in der aus unserer Sicht verhärteten Auseinandersetzung um den Bau von Minaretten zu den Betroffenen gehören“, schrieben SEA und VFG in den Briefen, die sie letzte Woche an das Initiativkomitee sowie an neun Muslimverbände verschickt haben. „Befürworter der Minarettverbots-Initiative werfen uns vor, mit deren Ablehnung kulturfeindliche Kräfte zu fördern, während Muslime uns als Befürworter der Initiative sehen und damit als fremdenfeindlich betrachten. Beide Wahrnehmungen sind falsch und bedürfen der Klärung.“ Die christlichen Verbände laden beide Seiten zum Gespräch sind bereit, Vorbereitungen zu einem Runden Tisch zu treffen.

Der Traum

Zwar wollen SEA und VFG den erhofften Gesprächen nicht vorgreifen. Sie haben aber einen Traum, den sie in den Briefen so formulieren: „Wir würden uns wünschen, dass sich am Ende eines solchen Weges eine Lösung abzeichnet: Die Initianten der Volksinitiative gegen den Bau neuer Minarette ziehen den Vorstoss zurück, weil die Initiative schlicht nicht mehr nötig ist. Umgekehrt verzichten muslimischen Gemeinschaften auf den Bau von Minaretten freiwillig, um Provokationen zu vermeiden, den religiösen Frieden zu erhalten und die Kultur ihres Gastgeberlandes zu würdigen.“ 

Hintergrundinformation und Orientierung

Die Evangelische Allianz und der Freikirchenverband veröffentlichen gleichzeitig die Stellungnahme „Muslime in der Schweiz“. Das 20-seitige Papier zeigt eingangs aktuelle Spannungsfelder im Zusammenleben mit Muslimen in der Schweiz auf. Dann bietet die vom promovierten Islam-Spezialisten Andreas Maurer als Hauptautor und einem Team verfasste Schrift in knapper Form Hintergrundinformation über den Islam und über die Lebensweise der verschiedenen muslimischen Gruppen in unserem Land. Dabei wird deren unterschiedliche religiöse und kulturelle Prägung sichtbar. Das ganz andere Missions- und Friedensverständnis des Islam gegenüber dem Christentum lässt die Leserschaft der Stellungnahme manches am Verhalten von Muslimen in der Nachbarschaft besser verstehen.

Kein interreligiöses Gebet

Im Sinne der Religionsfreiheit sind SEA und VFG der Meinung, dass Muslime ihren Glauben auch in der Schweiz frei ausüben können sollten, ohne aber die Gesetze zu verletzten oder den religiösen Frieden zu gefährden. So sollen sie beispielsweise ihre Schulen und Moscheen bauen können, der öffentliche Gebetsruf sei aber abzulehnen, so das Papier, denn der Ruf „Es gibt keinen Gott ausser Allah und Mohammad ist der Gesandte Allahs“ würde den religiösen Frieden gefährden. Es werde als ein Mittel der Propaganda empfunden und sprenge den Rahmen des Zumutbaren. Bei den Bestattungen haben Allianz und Freikirchen Mühe mit der Forderung der Muslime, die Toten müssten nach Mekka ausgerichtet begraben werden und beanspruchten „ewiges Liegerecht“. Stark wird von interreligiösen Veranstaltungen, insbesondere vom Gebet mit Muslimen abgeraten, ebenso von Mischehen zwischen Christinnen und Muslimen, bzw. Christen und Musliminnen. Dagegen stört man sich kaum an deren traditionellen Kleidern oder dem Kopftuch.

Sich besser über den Islam informieren

Das Papier schliesst mit einer Reihe von „Erwartungen an verschiedene Adressaten in der Gesellschaft“. Von Staat, Behörden und Politikern fordern SEA und VFG, darauf zu drängen, dass die islamischen Staaten das Menschrecht auf freien Religionswechsel – in jeder Richtung – ohne Vorbehalte anerkennen und in der Praxis einhalten. Arbeitgebern wird empfohlen, Muslimen gegenüber keine Zugeständnisse zu machen, die das Unternehmen nicht auch Angehörigen anderer Religionen zu geben bereit ist. Christliche Kirchen werden gebeten, sich besser über den Islam zu informieren, den Dialog zu fördern, sich aber selber auch kompetenter zu machen, Muslimen den christlichen Glauben verständlich zu erklären.

Das Papier kann auf www.each.ch heruntergeladen oder im Sekretariat der SEA, Josefstr. 32, 8005 Zürich bestellt werden. Tel. 032 344 72 00, E-Mail: info@each.ch

 

Die Verantwortlichen der Anregung zum „Runden Tisch“ und Herausgeber der Stellungnahme „Muslime in der Schweiz“:
Die Schweizerische Evangelische Allianz (SEA) ist eine Bewegung von Christinnen und Christen aus reformierten Landeskirchen, evangelischen Freikirchen und christlichen Organisationen. Sie besteht aus 80 lokalen Sektionen mit rund 550 Gemeinden und 90 christlichen Organisationen. Die Basis der SEA wird auf rund 250 000 Personen geschätzt. Die SEA ist eine von weltweit 127 nationalen Allianzen mit schätzungsweise 420 Millionen Gleichgesinnten.

Zum Verband Evangelischer Freikirchen und Gemeinden (VFG) gehören 15 freikirchliche Körperschaften mit über 600 lokalen Gemeinden, vorwiegend in der deutschen Schweiz. Der 1919 gegründete VFG will „die Zusammenarbeit im Blick auf den missionarischen Auftrag in der Gesellschaft verstärken, die Gemeinschaft unter den Verbandsmitgliedern vertiefen, die Akzeptanz der Freikirchen in der  Schweizer Öffentlichkeit fördern und für christlich-ethische Werte in der Gesellschaft eintreten.“

Quelle: SEA

Sprache: Deutsch

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